Konzerte Programme

Vermutlich geht es bei Liveauftritten genau darum: eine spürbare Verbindung herzustellen zwischen meinem Publikum und mir. Während ich das hier schreibe, sind de facto keine Auftritte möglich, die Pandemie hat uns Auftretende, die ein Publikum brauchen, isoliert. Aber irgendwie wird es weitergehen. Die Dinge von Gestern, die uns lebendig und am Leben hielten, sind ja nicht verschwunden. Wie ein Fluss sucht sich alles, was zum Stillstand nicht taugt, neue Wege. Ich arbeite dran. Und ich weiß, ich bin nicht allein.

Bald werden wir uns wiedersehen, da bin ich ganz sicher. Auch wenn es auf unabsehbare Zeit ein ganz anderes Wiedersehen sein muss – wir alle werden es zu schätzen wissen.
Auf bald!

Spezielle Programme:


„Being Dylan – Songs, Lieder & Songgeschichte(n)“
Zunächst war es eine kleine Hommage an Bob, den großen Früh-, Alt- und Songmeister Dylan, der seit fast 60 Jahren auf der Bühne steht und am 24. Mai 2011 70 Jahre alt geworden ist. Jörg Erb startete im Mai 2011 sein „Being Dylan“ spontan während eines Auftritts in Berlin. Er führte das Programm im „Kunstraum Ewigkeitsgasse“ in Wien erstmals unter dem Titel „Being Bob Dylan“ auf und war als Dylan-Kenner und Singer-Songwriter zu Gast in einer dreistündigen Radiosondersendung beim österreichischen Rundfunk ORF/Ö1 („You can’t eat applaus for breakfast“). Anschließend gastierte Jörg Erb mit seinem sich lebendig wandelnden Programm im Logensaal der Hamburger Kammerspiele, im gleichen Jahr sieben weitere Auftritte in Wien und Salzburg. Gitarre, Stimme und Mundharmonika, Original-Dylansongs, von Jörg Erb nachempfundene, frei und ins Deutsche verwandelte Songs sowie Stücke, die vom großen Kollegen inspiriert wurden, stehen im Zentrum von „Being Dylan“. Der Assoziation sind keine Grenzen gesetzt. Jörg Erb erzählt scheinbar zufällig Gefundenes, seine kleinen Songgeschichten verweben Songs & Lieder mit Fiktion und (Auto-)Biografie zu einer Art „Songtheater“. Unter „Hut & Mantel“ lässt er Dylan sogar zum Publikum sprechen – was äußerst selten geschieht, wie jeder weiß, der Bob Dylan schon mehrmals auf der Bühne zwischen den Songs hat schweigen hören. „Being Dylan“ ist aber auch eine ganz persönliche Haltung, die Joerg Erb nicht zuletzt dem Wirken Bob Dylans verdankt. Diese Haltung führt im Sinne des Künstlers schließlich zu einem „Being“, das am Ende gar nicht mehr einsam im Raum stehen bleiben mag sondern von den Zuhörern als eigene kleine Melodie vom Hier- und Dasein mit nachhause genommen werden kann. Songs don’t live or die, songs just float. Nicht nur die Zeiten ändern sich.

„Bredas Grab“:
Hier geht es um die Songs & Lieder des Konzeptalbums „Zwölf“ und die Auseinandersetzung mit den seelischen Auswirkungen von Nationalsozialismus und Krieg auf nachfolgende Generationen.
In einem Programm, das Jörg Erb 2005 mit der israelischen Musikerin Odelia Lazar entwickelt und mehrmals aufgeführt hat, erzählten beide von ihren jeweiligen Herkunftsfamilien – ein gewagtes Unternehmen, ging es doch um zwei sehr unterschiedliche Prägungen: Lazars Großeltern väterlicherseits wurden in Auschwitz ermordet, zwei Onkel überlebten Todeslager und Todesmärsche. Erbs Großvater mütterlicherseits gehörte als glühender Hitler-Verehrer bereits in den 1920er Jahren der SS an, Erbs Vater meldete sich mit Sechzehn freiwillig zur Waffen-SS.
„Bredas Grab“ konzentriert sich nun ausschließlich auf die Familiengeschichte Jörg Erbs, die er als exemplarisch darstellt und gern als „Bruchstücke deutscher Familiengeschichte des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet. Diese Familiengeschichte hat er ausnehmend gründlich bearbeitet – ein Prozess, der bis heute andauert. Erbs feste Überzeugung: Kein noch so kleines Bruchstück unserer Familiengeschichten darf unter den Teppich gekehrt werden; wir müssen uns der Vergangenheit immer wieder nähern, um nicht zu vergessen, zu verdrängen oder zu verschweigen.
Anlässlich einer Gedenkfeier zur Befreiung von Auschwitz lernte Jörg Erb Noah Klieger (1925 – 2018), einen der letzten Überlebenden, kennen, der ihn einen wahren Freund nannte. Für Jörg Erb ist diese Freundschaft Verpflichtung, wo immer es nötig ist, einer relativierenden oder verleugnenden Umdeutung der Shoah entgegenzutreten.

Das Programm wird je nach Ort, Zeitpunkt und Anlass immer neu zusammengestellt.